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Die Entstehung des Steampunk-Zeitmessers

 

Derzeit liegt eine kleine Bastelei in Form eines Zeitmessers auf meinem Tisch, die es wahrscheinlicher Weise Wert sein könnte, hier vorgestellt zu werden. Herzstück des Ganzen ist bei diesem Unterfangen selbstverständlich und wie kaum anders zu erwarten wieder ein mechanisches Taschenuhrwerk russischer Provenienz.

Auf der folgenden photographischen Darstellung sind bereits einige Komponenten zur ersten Stellprobe arrangiert worden.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 1

 

Der Bau eines standesgemäßen neuen und außergewöhnlichen Zeitmessers trieb mich schon längere Zeit um. Dass als Antrieb zum wiederholten Male ein Taschenuhrwerk russischer Herkunft dienen sollte, war bereits beschlossene Sache und erleichterte den Beginn insofern, als dass ich einige dieser Werke stets für meine Projekte und Inventionen bevorrate. Daneben lagern eine stattlich Anzahl an Gehäusen, Zeigern et cetera in meinem Fundus.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 2

 

Der Zufall wollte es, dass ich in einem hiesigen Online-Laden eines schönen Lederarmbandes ansichtig wurde, welches perfekt zu meinem Vorhaben zu passen schien. Das applizierte bajuwarische Trachtenmotiv nahm ich dabei billigend in Kauf, entfernte es jedoch alsbald nach dem Erwerb.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 3

 

Einige sachdienliche Anregungen hatte ich bis dato durch das Betrachten photographischer Abbildungen bereits erhalten, welche sich - aus diversen Quellen gespeist - vor meinem geistigen Auge zu einem Ganzen zusammen zu fügen schienen.

Das einfache flache Gehäuse der vorgesehenen Molnija wurde kurzerhand um ein weiteres Gehäuse aufgestockt (verklebt und verbacken), so dass neben einer stattlichen Bauhöhe von 13 mm als Nebeneffekt auch ein weiteres Pendant zur Befestigung mittels Schraubverbindung zur Verfügung stand. Beide Pendants wurden ihrer Bügel entledigt.

Ein originäres Ziffernblatt wurde mittels (Pseudo-)Verschraubung aufgebracht und mit der Thematik angemessenen gotischen Zeigern und einer werksfremden roten kleinen Sekunde versehen. Ein hochgewölbtes Uhrenglas, vervollständigt dieses Bauteil, welches nun ein mit einer größeren Krone versehenes russisches Molnija 3602 Taschenuhrwerk beherbergt.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 4

 

Die Unterlage wurde von meinem Uhrforums-Freund "Choctaw" aus einer Messingplatte, welche ursprünglich als Namensschild an der Haustür vorgesehen war, herausgearbeitet. Sie ist mit Absicht unterschiedlich abgeschrägt, um den Eindruck von Handarbeit herauszustellen. Die von ihm als Fehler deklarierte runde Fräser-Marke (er meint, es war die falsche Kurbel und ich habe keine Ahnung ) ist genial und wird mit einem passenden Zahnrad ausgefüllt. Einige weitere Applikationen wurden bereits von mir erstellt, einige andere befanden sich noch im Zustand der geistigen oder handwerklichen Entstehung oder im Zulauf.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 5

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 6

 

Das Ziffernblatt des integrierten Fluxtimers war auch bereits als Entwurf fertig gestellt und musste noch ausgedruckt und laminiert werden. Es würde mit einem funktionierenden Werk, bei dem jedoch nur ein schöner Sekundenzeiger zu sehen sein wird, in ein 17 mm Damenuhrgehäuse eingesetzt. Das hochgewölbte Glas dafür war ebenfalls noch auf der Reise zu mir.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 7

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 8

 

Hier kommt eine weitere provisorische "Stellprobe". Es fehlte noch ein wichtiges Bauteil, das noch im Zulauf war.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 9

 

Es ging weiter. Fast alle Komponenten waren jetzt da.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 11

 

Am wundervollsten finde ich ja den winzigen Glasöler für Sterlingmotoren, ganz links im Bild! Es fehlten noch ein paar Distanzbolzen und das Glas für den Mini-Fluxtimer. Danach konnte der Zusammenbau beginnen.

Wenn ich Sie nochmals zu einer kleinen "Stellprobe" meines Zeitmessers einladen dürfte?

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 10

 

Leider musste bezüglich der Positionen bestimmter Komponenten einige Veränderungen vorgenommen werden, aber ich denke, dass ich eine ästhetische und effektive Platz-Zuweisung finden konnte. Das Ziffernblatt des kleinen Fluxtimers war zunächst leider viel zu hell und musste mittels eines kräftigen Espressos dem des großen Uhrwerks angeglichen werden.

In Bezug auf eine etwaige künstliche Patinierung schwankte ich noch sehr, ich tendierte jedoch dazu, darauf zu verzichten und dies dem natürlichen Laufe der Zeit zu überlassen. Meine Versuche hinsichtlich einer gesundheits- und umweltunbedenklichen Alterung mit ungefährlichen Hühnerprodukten verliefen trotz längerfristiger Behandlung der Messingteile leider völlig fruchtlos.

Am darauf folgenden Wochenende würde der fertig gestellten Zeitmesser präsentiert werden können.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 12

 

So, bis auf ein paar Kleinigkeiten ist nun alles zusammen gebaut.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 13

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 14

 

Die Krone der Molnija wurde mit einer Stopfenschraube deutlich ergonomischer gemacht - sie lässt sich jetzt wunderbar leicht aufziehen. Die Aufzugswelle des Fluxtimers wurde mit einer großen Krone mit langem Gewinde verlängert, mit einem langen Tubus verstärkt und mit einer Feder optisch verdickt. Die Funktionalität des Aufziehens hat sich dadurch ebenfalls deutlich verbessert. Die bei der 10 verbaute einfache Messingschraube wollte ich noch durch ein Handrad aus dem Modellbau (falls das nicht wie erhofft aussieht, durch eine Hutmutter) ersetzen. Ich denke, dass auch das kleine Uhrwerk demnächst noch überholt werden muss, in dem Zug werde ich auch das leicht verdrehte Ziffernblatt des Fluxtimers korrigieren. Bei dem kleinen Durchmesser macht ein winziger Versatz eine Menge aus.

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 15

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 16

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 17

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 18

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 19

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 20

 

Das mit dem Handrad hatte mir keine Ruhe gelassen und so hatte ich mir schnell mal eins mit 14 mm Durchmesser selbst gebaut (nach Anregung eines Steampunk-Bastlerkollegen).

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 21

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 21

 

Steampunkuhr Dokumentation Bild 21

 

Ganz ganz herzlich möchte ich an dieser Stelle meinem Uhrforums-Freund "Choctaw" danken, ohne dessen Mithilfe bei der Grundplatte das Ganze wohl bloß ein Hirngespinst geblieben wäre.

Einige besonders interessante Artefakte

Eine kleine Zusammenstellung der interessantesten Schöpfungen aus der van den Boomschen Werkstatt.